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Straßen­verkehr

Der Verkehr auf den Straßen läuft chaotisch-langsam. Die Straßen sind kaputt und überfüllt. Praktisch ständig ist überall Stau. Zäh fließender Verkehr ist ein Grund zur Freude. Wenn man mal 50km/h fahren kann, spürt man den Rausch der Geschwindigkeit.

Ich habe noch keine Ampel gesehen, größere Kreuzungen regeln sich selbst durch Kreisverkehre. Im Berufsverkehr werden zusätzlich Verkehrspolizisten eingesetzt, die es genießen, im Mittelpunkt zu stehen und mit ihren Trillerpfeifen auf sich aufmerksam zu machen, selbst wenn sie zum Weiterfließen des Verkehrs nicht beitragen können.

Der Straßenverkehr funktioniert nach 2 Grundprinzipien, erstens: Reindrängeln, zweitens: Reinlassen. Um irgendwo links abbiegen zu können, muss man durch Lichthupe, Hupe oder Aus-dem-Fenster-winken mit dem Gegenverkehr kommunizieren. Spätestens der vierte oder fünfte Fahrer lässt einen vor. Ich weiß nicht, ob rechts vor links gilt oder ob es Haupt- und Nebenstraßen gibt. Der Verkehr fließt einfach langsam vor sich hin und jeder wurschtelt sich durch. Es ist erstaunlich, wie gelassen und rücksichtsvoll hier gefahren wird. Man winkt, bedankt sich mit der Hupe, lächelt.

Da Fußwege selten sind, benutzen alle die Straße: Fußgänger, Fahrradfahrer, Lastschubkarren, Bettler, Sonnenbrillenverkäufer, Hunde und Hühner. Die Fußgänger benutzen die Straße sehr selbstbewusst und das Hupen des Autos ist ein freundlich gemeinter Hinweis, dass es vorsichtig zu überholen gedenkt.

Ich fühle mich hier im Straßenverker als Autofahrer und als Fußgänger sehr sicher, auch weil durch die niedrige Geschwindigkeit tödliche Unfälle sehr unwahrscheilich scheinen. Selbst als ich in eine Einbahnstraße in die falsche Richtung einbog (Verkehrsschilder fehlen an vielen Stellen) wurde ich nicht angehupt, der Gegenverkehr machte mir Platz und ich bemerkte meinen Fehler erst am nächsten Kreisverkehr.